Saarbrücker Zeitung, 21.2.05

EIN ABEND MIT ZEN-MEISTER MICHEL BOVAY


Loslassen ohne Angst

Der Schweizer Michel Bovay widmet sein Leben schon lange dem Zazen, dem Weg Buddhas. Im Saarbrücker Schloss ließ er auf Einladung der Volkshochschule und des Saarbrücker Zen-Zentrums „Ho Rin Ji“ andere daran teilhaben.

Saarbrücken.Es gehe um etwas, das weit über Worte hinausgeht. Das räumt Michel Bovay gleich zu Beginn ein. Doch der Zen-Meister versucht den Zuhörern im Saarbrücker Schlosskeller dennoch einen Einblick zu geben, in das, was sein Leben seit vielen Jahren ausmacht. Zazen, der Weg Buddhas. Sich Zeit nehmen, um sich in Stille auf ein Kissen zu setzen und den gegenwärtigen Augenblick zu leben. „Aber Lachen ist trotzdem nicht verboten“, sagt der gebürtige Schweizer.

Auf Einladung der Volkshochschule und des Zen-Zentrums „Ho Rin Ji“ Saarbrücken ist er an diesem Abend im Schloss zu Gast. Die Bühne ist sparsam beleuchtet, ein Raucherstäbchen verbreitet sanften Duft. Der Zen-Meister ist gekommen, um Geschichten zu erzählen. Er will aber keine Illusionen schaffen, vielmehr geht es ihm darum, Illusionen sichtbar zu machen. „Wahre Weisheit kommt nicht aus dem Denken, sondern aus dem Nicht-Denken“, so einer seiner Kernsätze. Loslassen können sei die Freiheit des Geistes.

Michel Bovay selbst hat 1971 von seinem Leben als Berufsmusiker losgelassen. Damals traf er den Zen-Meister Deshimaru, folgte ihm nach Paris und wurde zu seinem Schüler. Heute ist Bovay davon überzeugt, dass, wer alles los- lässt auch seine Ängste überwin- det. Der Zen-Meister erzählt die Geschichte eines Zen-Mönchs, der sich weigert, einem General aus dem Weg zu gehen. „Ich glaube, du weißt nicht, wen du vor dir hast. Vor dir ist ein Mensch, der dich je derzeit töten kann, ohne mit der Wimper zu zucken", sagt der Gene- ral drohend. Da antwortet der Mönch. „Ich glaube, du weißt nicht, wen du vor dir hast. Vor dir sitzt ein Mensch, der jederzeit sterben kann, ohne mit der Wimper zu zu cken." Michel Bovays Weisheiten haben eine lange Tradition. Sie wurden immer wieder von Zen- Meistern an ihre Schüler weiterge geben. Untermalt werden sie an diesem Abend von Wolfgang Hess- ler, der auf einer Shakuhachi, einer japanischen Flöte, spielt. Und auch wenn sich das, was die beiden er zählen mochten, schwer in Worte fassen lässt. Einen Eindruck konn ten sie vermitteln.

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